Ortsname Bürmoos – und der Versuch, sich selbst zu verwirklichen

Seit Jahren versuchen die Mitglieder des Keltenvereines Bürmoos, die Herkunft des Ortsnamen Bürmoos auf neue Beine zu stellen und die Namensgebung unseres Heimatortes den Kelten umzuhängen. Hier sei nur soviel gesagt: Nur weil man etwas immer wiederholt, wird es nicht zur Wahrheit.

Dazu hat bereits einmal Wolfgang Bauer, Historiker und Gründer des Vereins „Geschichte Bürmoos“, aus dem Schreiben von befragten Fachleuten im Bürgermeisterbrief 11/2007 der Gemeinde Bürmoos folgendes wiedergegeben: Stichwort Herkunft: Ein Keltenforscher aus Bürmoos stellte in einer kürzlich erschienenen Festschrift die Hypothese auf, der Name Bürmoos stamme von den Kelten ab. Ein Heiligtum gar sollte der Hügel Laubschachen – nach früheren Besitzern auch Lanschützerhügel genannt – mitten im Moor gewesen sein… …Aus den Schreiben von befragten Fachleuten zu diesem Thema soll hier eines wiedergegeben werden: „An der bisherigen Etymologie von Bürmoos als „Birkenmoos“ ist aus Sprachwissenschaftlicher Sicht nicht zu rütteln. Der erste Bestandteil des Kompositums Bürmoos (älter: Birchmoos) geht auf ahd. birka, birihha, mhd. birke, birche, ‘Birke’ zurück, das zweite Element verweist auf die Lage in einem Moorgebiet (ahd., mhd. mos, Moor, Sumpf). Bürmoos ist somit ein Flurname, der nach der Vegetation bzw. der Formation des Bodens benannt ist und auf die junge Siedlung (19. Jh.) übertragen wurde (vgl. Hörburger, Salzburger Ortsnamenbuch, S. 143. Gerade die Ortsnamendeutung ist leider immer wieder wildesten Spekulationen von pseudowissenschaftlicher und esoterischer Seite her ausgesetzt. Die Keltomanen und Illyromanen (und jetzt auch sozusagen die Pyromanen 😉 versuchen immer wieder, irgendwelche „Wortwurzeln“ aus dem Zusammenhang zu reißen und sogar dem eindeutigen (in unserem Fall deutschen) Wortmaterial aufzupfropfen. Das alles ist wissenschaftlich nicht haltbar und somit auch nicht ernstzunehmen.“ Thomas Lindner FB Linguistik Universität Salzburg (Vorsitzender der Salzburger Ortsnamenkommission) Wir sollten also bei der alten Herkunft von „Birkenmoos“ bleiben und die Kelten dort lassen, wo sie einstens gelebt haben, so Wolfgang Bauer.

Nun, 2015, startet der Keltenverein einen neuerlichen Versuch. Bedenklich ist, dass durch die schlechte redaktionelle Recherche des ORF Salzburg dieser These des Keltenvereines sogar noch eine Plattform gegeben wird. Dazu hat jedoch umgehend Herr Ingo Reiffenstein (seines Zeichens Dr. phil., em. o. Univ.-Prof. für Ältere deutsche Sprache und Literatur mit bes. Berücksichtigung der germanistischen Sprachwissenschaft) geantwortet.

Hier die Stellungnahme von Herrn Dr. Reiffenstein: Die Birken von Bürmoos Der Leserbrief von Herrn Alois Fuchs über den Ortsnamen Bürmoos mit einer gehässigen Polemik gegen unser Lexikon der Salzburger Ortsnamen soll nicht ohne Erwiderung bleiben. Herr Fuchs polemisiert gegen unsere Erklärung des Ortsnamens Bürmoos als „Moos mit Birken“ und unterstellt unterschwellig, dass das eine „altna tionale“ Erklärung mit dem germanischen Wort für die Birke sei. Mit den Germanen hat unser Name tatsächlich nichts zu tun, sehr wohl aber mit dem Wort für die Birke in unserer regionalen Dialektaussprache. In vielen Wörtern wird im Bairischen (d.h. auch in unseren Dialekten) der Konsonant k in den Lautgruppen rk, lk zum Reibelaut ch verändert, z.B. in Werch, starch, Kalch und eben auch in Birch. In unseren Breiten verstummt dieser Reibelaut im (älteren) Dialekt und es heißt dann Weada(g), Kiata, Koi für Werktag, Kirchtag, Kalk – und Bia(ra) für die Birke. Dass Herr Fuchs die Schreibung Birchmoos in seinen Quellen nicht gefunden hat, erklärt sich leicht daraus, dass die Belege für unseren Namen erst im ausgehenden 18. Jahrhundert einsetzen. Hätte er in unserem Namenbuch unter Moospirach nachgesehen, dann hätte er sehr wohl Belege für Mospirchach zwischen 1335 und 1489 gefunden. Dass es aus früherer Zeit keine Belege für Bürmoos gibt, liegt einfach daran, dass das Moos nicht genutzt wurde. Es bestand kein Anlass, den Namen aufzuschreiben. Natürlich gibt es bei uns auch Ortsnamen keltischen Ursprungs, wenn auch weniger, als man erwarten könnte (z.B. Anif, Glan, Glas, …). Bürmoos gehört aber sicher nicht dazu, auch nicht der Pyhrnpass, dem ein slawisches Wort zugrunde liegt. Außerdem hat PYR nichts mit dem Keltischen zu tun, sondern ist das griechische Wort für Feuer. Der Keltenverein Bürmoos sollte sich besser informieren. Ingo Reiffenstein 5152 Dorfbeuern

Mal sehen, nachdem schon in der SPÖ-Chronik „der rote Faden 1907-2007“ zum 100-jährigen Bestehen der Ortspartei (der übrigens 3 Jahre zu früh erschienen ist, da die Ortspartei erst 1910 gegründet wurde…) diese These nieder geschrieben ist – vielleicht entscheidet sich die rote Gemeindevertretung von Bürmoos über eine neue Quelle des Ortsnamens.

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